Pflege des Instrumentes  
   
 
Zentrales Problem: das Holz  

Das Holz des Instrumentes ( meist Grenadill-Holz ) ist vor der Verarbeitung jahrelang gelagert worden. Es wurde bei der Herstellung mit Öl behandelt.
Trotzdem reagiert es weiterhin auf Feuchtigkeit und Temperaturänderungen. Im Katastrophenfall kann das zu Rissen führen.
Werden die inneren Wandbereiche beim Blasen feucht, so quellen sie. Die äußeren Bereiche bleiben trocken und geben nicht nach.
So entstehen Spannungen, die nicht zu groß werden dürfen. Das gleiche gilt für Temperaturunterschiede bei schnellen Temperaturwechseln.
Ölen des Holzes: ca. alle 3 Monate sollte die Innenbohrung mit speziellem Öl ( harz- und säurefrei, fragen Sie im Fachgeschäft nach; in der Literatur wird rohes Leinöl genannt, der Geruch ist aber störend; auf keinen Fall Maschinenöl ! ) durchgewischt werden. Dazu gibt es besondere
Ölwischer. Er sollte nur sehr sparsam eingeölt werden. Ein dünner Ölfilm im Instrument reicht aus. Zu viel bedeutet Gefahr für die Polster s.u.

 
Grundregeln bei der Benutzung des Instrumentes  
Neue Instrumente müssen langsam eingeblasen werden, d.h. mit langsam steigender Benutzungsdauer. Am Anfang sollten es nicht mehr als 20 min sein.
Danach ist das Intrument sorgfältig auszuwischen und muss vor der nächsten Benutzung trocknen können.
Nach dem Spiel muss das Instrument gründlich trockengewischt werden ( zweckmäßigerweise mit einem Lederdurchziehwischer ).
Das Instrument muss auseinandergenommen werden. In den Zapfenbohrungen sammelt sich die Feuchtigkeit besonders stark.
Hier ist ein weicher, saugfähiger Lappen besser geeignet. Der Instrumenten-Koffer sollte möglichst nicht gleich geschlossen werden.
Auf keinen Fall sollte der Wischer im Instrument bleiben. Feuchte Wischer sollten besser überhaupt nicht in den Koffer kommen.
Der Instrumenten-Koffer sollte es ermöglichen, alle Einzelteile getrennt aufzubewahren, um ein Abtrocknen ( insbesondere der Zapfen ) zu erlauben.
Übrigens führt die offene Aufbewahrung von Mundstücken ( Hartgummi , Kunststoff ) im Koffer manchmal dazu, dass das Silber der Klappen anläuft.
Ich wickle das Mundstück in einen weichen Lappen ein und lege es in ein verschlossenes Fach im Koffer.
Der Korkzapfen sollte oft genug gefettet werden ( z.B. mit Hirschtalg aus der Apotheke oder Drogerie ), um sie beim Zusammensetzen bzw. Zerlegen
des Instrumentes nicht zu beschädigen. Schwergängig Zapfen führen auch dazu, dass man zu fest zufassen muss und dabei die Klappen verformt.
Die Polster sind sehr empfindlich und dürfen nie mit Öl oder Wasser in Berührung kommen. Sie werden sonst hart und decken schlecht.
Die Feuchtigkeit der Atemluft lässt sich allerdings schlecht vermeiden. Ein kaltes Instrument begünstigt das Kondensieren an der Innnenwand.
Entstehende Feuchtigkeit sollte an den Tonlöchern vorbei abfließen können. Das ist manchmal durch die Instrumentenbauart nicht optimal möglich.
Ölen der Innenbohrung ( Vorsicht Polster ) verbessert den Zustand.
Ein Lehrer hat mir folgenden Tip gegeben: einen Wollfaden ölen, ein kleines Gewicht anhängen und vorsichtig so durch das Instrument ziehen,
dass er nur die untere Bohrungslinie, die nicht durch Tonlöcher unterbrochen ist, berührt. Das schafft der Feuchtigkeit eine Vorzugsbahn.
Klebende Polster treten auf, wenn die Klappe selten geöffnet wird und das Polster feucht geworden ist. Deshalb nach dem Spielen die
betroffenen Polster mit zwischengelegtem dünnen saugfähigen Papier abtrocknen.
( Es wird auch Puder oder Kreide empfohlen. Ich würde aber vorsichtig dabei sein, denn kleine Teilchen können die Dichtung stören)
"Gurgeln" beim Spiel. Wasser im Tonloch verschließt es zeitweise. Klappe öffnen und Loch ausblasen. Polster trocknen mit Papier, s.o.
Ölen der Mechanik : Von Zeit zu Zeit müssen die kleinen Achsen ( Walzenschrauben ), andere Schrauben und Federn geölt werden.
Das muss sehr vorsichtig geschehen ( Polster ! ). Möglich ist das mit einem Nadelöler. Besitzt man so etwas nicht, reicht es eine Nähnadel in
ein Ölfläschchen zu tauchen und die Spitze mit den anhaftenden Tropfen an die entsprechende Stelle zu führen. Überflüssiges Öl sofort mit einem
Läppchen entfernen. Nur hochwertiges, harz- u. säurefreies Öl verwenden, wie es im Geschäft z.B. als Nähmaschinenöl geführt wird.
Wird man im Freien von einem Regenguss überrascht, so ist die anschließende Trocknung und das Ölen besonders wichtig,
Wer etwas versierter ist, sollte sein Instrument von Zeit zu Zeit komplett zerlegen und die Achsen ( Walzenschrauben ) mit Öl abwischen.
Sitzen Schrauben erst einmal richtig fest, so wird beim Löseversuch häufig der Schlitz so verformt, dass ein Drehen nicht mehr möglich ist
( gut passende Schraubendreher verwenden !). siehe auch regelmässig Wartung.
Kleinere Reparaturen wird man - schon aus Zeitgründen - irgendwann selbst machen müssen. Dazu gehört z.B. das Festziehen loser Schrauben,
das Ersetzen abgefallener Korkstückchen und das Wiederbefestigen loser Polster. Kork ersetzen ist relativ unproblematisch. Gut ist es, wenn man das
alte Korkstück noch hat. Ein guter Kontaktkleber ( z.B. Sekundenkleber ) reicht dann aus. Muss man den Kork ersetzen, so ist die genaue Dicke
sehr wichtig, insbesondere, wenn mehrere Klappen beteiligt sind. Als Material eignet sich Kork mit nicht zu vielen großen Poren ( ich benutze z.B.
Korken von Weinflaschen, die mit einer scharfen Klinge geschnitten werden ).
Abgefallene Polster
wieder einzusetzen oder durch neue zu ersetzen
erfordert etwas Erfahrung und man sollte sich beim ersten Mal von einem Musiklehrer, von Musikerkollegen oder natürlich von einem Instrumentenbauer
beraten lassen. Hilfsmittel sind: weißer Siegellack ( Polster sind mit diesem Siegellack"eingeklebt", -auf keinen Fall Kleber verwenden!- und lassen sich durch Erwärmen lösen bzw. wieder befestigen. Dazu wird die ausgebaute, gesäuberte Klappe mit kleinen Siegellackbruchstücken gefüllt und dann mit einer nichtrußenden Flamme erwärmt, bis diese schmelzen. Dann wird das passende ( nicht zu groß und nicht zu klein ) möglichst gerade eingesetzt.
Hervorquellender Siegellack lässt sich nach dem erkalten leicht abbrechen. Die Klappe wird wieder montiert. Dann dichtet sie meist noch nicht genau.
Es muss sich ein Ring über den Tonlochrand bilden. Dazu ist es häufig notwendig den Siegellack durch Erwärmen noch einmal zu verflüssigen. Dieser
Prozess ist gefährlich, weil zu große Wärme das Polster verbrennt ( auch das Holz darf nicht erwärmt werden ). In der Literatur wird empfohlen, ein
dünnes Stahlblech zu erwärmen und dieses auf das vormontierte Polster zu drücken. Sie sehen das ist ohne Erfahrung nur schwer selbst zu machen.

Fachgeschäfte
führen kleinere Reparaturen
häufig auch relativ schnell aus; hier zahlt es sich aus, wenn man das Instrument dort gekauft wurde, oder zur Genaralüberholung war.
Regelmäßige Wartung: Auch beste Pflege kann Alterung und Verschleiss nur aufhalten. Deshalb gehört das Instrument regelmäßig in die Hände eines
Fachmanns . Vorsicht! Ich habe schon schlechte Erfahrungen mit "Fachleuten" gemacht. Es gibt Instrumentenbauer mit entsprechender Qualifikation, wie z.B. Boris Schoenherr, eine Meisterwerkstatt in der Sophienstraße 20a 10178 Berlin
Er wird Ihnen sagen, was zu machen ist. Eine Generalüberholung ( mit Neupolsterung ) ist nach mehreren Jahren sicher fällig.
Fragen Sie Musikerkollegen nach Erfahrungen.
 
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